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Berufsbotschafterinnen Informatik und Ausbildungsverantwortliche im Gespräch: Besuch bei der Noser Young Professionals AG in Bern

Interview mit Corina Jaussi und Céline Späti, Lernende Informatik Applikations-entwicklung

Flurina Peyer: Was wolltet ihr als Kind einmal werden?

Céline Späti: Ich wollte früher einmal Kindergartenlehrerin werden oder auch Schauspielerin. Später war ich immer gerne am Computer. Mein Vater hat in der IT Branche gearbeitet und auch mein Götti ist in dieser Branche tätig. Beim Schnuppern hat es mich dann definitiv überzeugt, dass Informatik das Richtige für mich ist.

Corina Jaussi: Früher wollte ich Tierärztin werden. Ich habe dann aber die Fachmittelschule angefangen und wollte Richtung Sozialpädagogik oder Richtung medizinische Berufe gehen. Dann habe ich ein Praktikum in einer Kita gemacht. Das hat mir eigentlich gefallen, aber es hat mich nicht überzeugt. Gleichzeitig wollte ich einen Beruf ausüben, wo ich Menschen helfen kann. Durch Kollegen bin ich dann auf  Informatik gestossen. Die Software, die wir entwickeln oder die neuen Welten, die wir erschaffen, ist zwar nicht die gleiche Hilfe, wie wenn ich einem umgefallenen Kind helfe wieder aufzustehen, aber ich erschaffe etwas, was vielen anderen Menschen den Alltag erleichtert. Das gefällt mir.

Céline Späti, Informatikerin in Ausbildung

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F: Wie haben Familie und Freunde auf eure Berufswahl reagiert?

Corina: Meine waren begeistert. Also zuerst fragten sie sich, ob ich das wirklich kann, da ich zuerst in der Kita gearbeitet habe und ich ein paar Jahre lang keine Schule mehr besuchte. Aber nach kurzer Zeit waren sie vor allem stolz und sind es immer noch. Meine Kollegen haben sich darüber gefreut, dass ich eine Informatiklehre mache und finden es spannend, mit mir über Technik reden zu können.

Céline: Meine Eltern waren glücklich und sind stolz, dass ich es geschafft habe. In meiner alten Klasse wollten einige eine Informatiklehre machen und nicht mal die Hälfte von ihnen hat eine Lehrstelle bekommen. Da war ich schon stolz, dass ich eine gekriegt habe.

Corina Jaussi, Informatikerin in Ausbildung

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F: Was gefällt euch in eurem Berufsalltag am besten?

Corina: Es gibt immer etwas Neues und jeder Tag ist anders. Es gefällt mir, dass ich neue Systeme und Schnittstellen entwickeln kann und ich weiss, dass diese von Menschen gebraucht werden und ich ihnen den Alltag erleichtere. Mir gefällt auch die Teamarbeit besonders. Bereits in der dritten Woche konnte ich bei Bucher + Suter vor verschiedensten Teammitgliedern, dem CEO und anderen Teams eine Präsentation in Englisch halten und es wurde eine Videokonferenz beigeschaltet. Es gefällt mir, wenn ich merke, dass das, was ich entwickle, auf Resonanz stösst.

Céline: Ich finde es toll zu wissen, dass das, was ich mache, auch wirklich gebraucht wird. Ich habe immer wieder Erfolgserlebnisse, wenn es in einem Code irgendwo einen Fehler gibt, den ich finde und beheben kann. Einen weiteren Meilenstein zu schaffen motiviert mich. In der Informatik ist es auch besonders schön zu sehen, dass man immer wieder die Resultate von dem sieht, woran man lange gearbeitet hat.

Corina: Ich erinnere mich noch gut, als ich ganz am Anfang meiner Lehre eine Zeile Codes geschrieben habe und dann plötzlich eine rote Kugel auf dem Bildschirm erschien. Es sind kleine Schritte, die einen faszinieren. Mittlerweile programmiere ich Schnittstellen mit Gates, welche verschiedenen Systemen die Kommunikation miteinander erlauben und Gadgets für Callcenter- Agenten.

F: Welche Fähigkeiten braucht es in eurem Beruf?

Céline: Sicher ein logisches Denkvermögen, dass man Verbindungen sieht und die zusammensetzen kann. Oder wenn man eine Reihenfolge sieht und dann merkt, dass die ähnlich ist wie eine andere und so weiter. Vom Persönlichen her glaube ich, dass Menschen mit verschiedensten Charaktereigenschaften in der Informatik arbeiten können. In meinem Lehrjahr gibt es ruhigere und auch sehr gesprächige Lernende. Es ist sehr vielfältig.

Corina: Es braucht eine hohe Kompromissfähigkeit.  Man muss auf andere eingehen können, denn in der Informatik ist Teamarbeit gefragt. Klar sollte man auch seine eigene Meinung durchsetzen können, aber man muss eben auch Fehler eingestehen können, um daraus zu lernen. Viele Mädchen schreckt es vermutlich ab, dass in der Stellenausschreibung gute mathematische Kenntnisse verlangt werden. Damit ist hauptsächlich, wie bereits von Céline erwähnt, das logische Denkvermögen gemeint und keine „trockenen“ Berechnungen.

F: Wie stellt ihr euch eure berufliche Zukunft vor?

Corina: Ich möchte am liebsten hier bleiben. Es ist ein sehr liebevolles Umfeld, wie in einem Familienbetrieb.

Céline: Ich bin noch am Anfang meiner Lehre und weiss noch nicht, wo mich die nächsten drei Jahre hinführen werden. In meiner Lehre bin ich die ersten zwei Jahre bei der Noser Young Professionals. Im dritten und vierten Jahr kann ich danach bei Bucher + Suter meine Erfahrungen sammeln. Alle schwärmen von Bucher + Suter, deshalb freue ich mich sehr, dass ich dort meine letzten zwei Lehrjahre absolvieren kann. Eventuell möchte ich nach der Lehre noch eine Weiterbildung Richtung Web-Design mache.

 

Adrian Krebs, CEO der Noser Young Professionals AG

Bild vergrössern Adrian Krebs, CEO der Noser Young Professionals AG

Interview mit Adrian Krebs, CEO der Noser Young Professionals AG in Bern

Flurina Peyer: In der Informatikbranche in der Schweiz sind Frauen oftmals untervertreten. Bei Ihnen sieht es anders aus.

Adrian Krebs: Bei uns sind unter den neuen Lernenden fast die Hälfte Frauen. Bei Schnuppertagen achten wir darauf, dass Mädchen von unseren weiblichen Lernenden empfangen und betreut werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass es weitere Mädchen anzieht, wenn es bereits mehrere Frauen im Betrieb gibt. Wir engagieren uns beim Nationalen Zukunftstag. Zudem versuchen wir auch über das persönliche Netzwerk, Töchter, Patenkinder usw. für die Informatikberufe zu motivieren. Was sicherlich auch hilft, sind unsere Kunden. Sie sind oft sehr bekannt und für die Jugendlichen attraktiv. Google zum Beispiel. Ich denke, dass aber insbesondere unsere Art und Weise, wie wir unterwegs sind, Jugendliche anzieht und begeistert. Wir engagieren uns in Sozialprojekten in Albanien und in der Ukraine. Bald reisen wir mit den Lernenden auf einem Kreuzfahrtschiff eine Woche durch die Adria. Zudem planen wir einen Ausflug nach New York City.

F: Noser Young Professionals scheint unter den Jugendlichen bekannt zu sein.

A: Sie werden oft durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf uns aufmerksam. Bei den Vorstellungsgesprächen gewinnen wir viele junge Menschen, wenn wir ihnen aufzeigen, dass sie die Fähigkeiten mitbringen, die es in dieser Lehre braucht. Viele merken durch die Gespräche, dass sie bei uns eine faire, gute Chance haben und wollen dann zu uns. Wenn ich Zurückhaltung erfahre, dann ehrlicherweise oft vom Elternhaus, das sagt: „Meine Tochter ist nicht für die Informatik gemacht“. Wenn diese Aussage von einer Vorbildperson kommt, dann ist es natürlich nicht ganz einfach. Dies versuchen wir in an den Schnuppertagen und Interviews zu durchbrechen.

F: Welche Erfahrungen haben Sie mit geschlechtergemischten Teams gemacht?

A: Anstand in der Kommunikation und Teamfähigkeit verändern sich meiner Meinung nach markant positiv. Schon nur eine einzige Frau im Team löst etwas aus. Ich bin überzeugt, dass dies auch der Fall ist, wenn ein Mann in ein Frauenteam kommt.

F: Wie reagiert die Kundschaft?

A: Es gibt Kunden, die ganz bewusst darauf achten und von uns weibliche Lernende vermittelt haben wollen. Ich merke auch, dass die Frauen zunehmend beliebter werden in der Informatik und teilweise sogar bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

F: Was raten Sie anderen Betrieben?

A: Ich denke, es lohnt sich, wenn sich Firmen auch intern bewusster darum bemühen, junge Frauen zu rekrutieren. Merkt man z.B. bei einem privaten Kontakt oder überall, wo man hingeht dass eine junge Frau die Fähigkeiten für diese Branche mitbringt, sollte man die Chance nutzen und für die Informatik die Werbetrommeln rühren. Zusätzlich sollte man versuchen, hartnäckige Muster zu durchbrechen, dass zum Beispiel eine Kindergartenbetreuungsperson weiblich sein sollte oder jemand in der Informatik ein Junge sein muss. Da sollte man unbedingt umdenken!

F: Worauf sind Sie in der Ausbildung von Lernenden besonders stolz?

A: Es gibt eigentlich zwei Dinge. Das eine ist, dass praktisch alle nach der Lehre bei uns einen Job erhalten. Manchen werden sogar bereits während der Lehre zwei, drei Jobs angeboten. Unser Hauptziel ist, dass unsere Lernenden glücklich werden. Das Zweite ist, dass wir fast jedes Jahr ein paar der Besten aus der Schweiz bei uns haben und wir merken, dass sie extrem motiviert sind und von sich aus wirklich maximale Leistungen erbringen wollen.

Interviews: Flurina Peyer, August 2017 

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