Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Berufsbotschafter und Ausbildungsverantwortliche im Gespräch:

Interview mit Lars Ramminger, Lernender Fachmann Gesundheit und Michael Cina, Lernender Fachmann Betreuung

Flurina Peyer: Hattet ihr einen Traumberuf als Kind?

Michael Cina: Ich wollte immer Verkäufer werden, da meine Grosseltern eine Laden betrieben. Ich habe schon früh gemerkt, dass ich gerne Kundenkontakt habe und fand den Ladenbetrieb sehr spannend. Ich konnte diesen Traum auch verwirklichen und habe Verkäufer als Erstausbildung gelehrt. Dann wollte ich eine Zweitausbildung machen und in der Kinderbetreuung arbeiten, da mir der Umgang mit Kindern sehr liegt. Zeitlich wurde es aber mit der Lehrstellensuche sehr knapp und ich habe dann aus verschiedenen Gründen beim Altersheim angefragt. Jetzt gefällt es mir in der Altersbetreuung sehr und ich bereue es kein bisschen. 

Lars Ramminger: Früher war es mein Traum, einmal Pilot zu werden. Später merkte ich, dass ich etwas mit Menschen machen wollte, wusste aber nicht genau, in welche Richtung ich gehen sollte. Dann habe ich eine Lehre als Landschaftsgärtner begonnen. Als Landschaftsgärtner habe ich eine Weile auf dem Friedhof gearbeitet. Dort kam ich oft in das Gespräch mit älteren Menschen. Das hat mir sehr gefallen und dann habe ich mich dazu entschieden Fachmann Gesundheit zu werden. 

Michael Cina, Lernender Fachmann Betreuung

Bild vergrössern Michael Cina, Lernender Fachmann Betreuung

F: Wie waren die Reaktionen von Familie und Freunden auf eure Berufswahl?

M: Ich erhielt unterschiedliche Reaktionen. Meine Mutter hat mich immer in meiner Berufswahl unterstützt. Sie hat mir oft gesagt, dass ein Betreuungsberuf zu mir passen würde. Ich wollte das zuerst nicht wirklich wahrhaben, habe aber mit der Zeit gemerkt, dass mich diese Richtung sehr wohl interessiert. Meine Kollegen machen sich manchmal über meinen Beruf lustig. Sprüche wie „Du putzt ja nur die Hintern von Grossmüttern“ höre ich oft. Ich habe mich aber nie verunsichern lassen und weiss, dass meine Kollegen meine Berufswahl akzeptieren, auch wenn sie manchmal Witze darüber machen. Es ist schon so, dass ich mit meinem Beruf in meinem Kollegenkreis natürlich auffalle, da die meisten eher einen handwerklichen Beruf ausüben.

L: Die Reaktionen sind meistens positiv. Meine Mutter und meine Tante arbeiten selbst auch in der Alterspflege. Viele meiner Kollegen sagen, dass sie diesen Beruf nicht machen könnten. Sprüche höre ich auch ab und zu.

Lars Ramminger, Lernender Fachmann Gesundheit

Bild vergrössern Lars Ramminger, Lernender Fachmann Gesundheit

F: Was gefällt euch in eurem Berufsalltag am besten.

M: Mir gefällt die Alltagsbetreuung. Ich stehe gerne mit Menschen im Kontakt und mir gefällt es, mit ihnen Gespräche zu führen. Ich finde es schön, wenn ich ältere Menschen im Alltag unterstützen kann. In meinem Beruf handelt es sich immer um ein Geben und Nehmen und es ist ein gegenseitiges Lernen. Das Fachwissen, das ich mir hier aneigne kann ich auch in meinem Privatleben sehr gut nutzen.

L: Mir gefallen die Betreuungsgespräche am meisten. Ich kann durch die Gespräche eine Bindung zu den Bewohnerinnen und Bewohnern aufbauen. Dies könnte ich in einem Spital nicht. Es macht mir Freude, mit den Bewohnenden etwas zu unternehmen, und ich helfe ihnen gerne. Mir gefällt es, dass ich Menschen unterstützen kann, die wirklich auf meine Hilfe angewiesen sind. Es gibt mir ein gutes Gefühl.

F: Wem würdet ihr den Beruf weiterempfehlen?

M: Man braucht eine sehr hohe Sozialkompetenz. Oft ist die Tagesform von älteren Menschen verschieden. Man muss sich dem anpassen können und auf sie einzugehen. Zudem sollte man mit dem Sterben und dem Umgang mit dem Tod keine grosse Mühe haben. Denn viele Bewohnerinnen und Bewohner im Altersheim befinden sich in ihrem letzten Lebensabschnitt. Ich begleite sie oft bis zu ihrem Lebensende.

L: Man muss sozial eingestellt sein und sehr hilfsbereit. Wichtig ist auch, dass man keinen Ekel hat. Wir sehen im Betreuungsberuf auch vieles, das nicht so schön ist, aber zur Betreuung dazu gehört.

F: Wie sieht eure berufliche Zukunft aus?

M: Ich würde gerne nach meiner Lehre weiterhin in der Altersbetreuung Worb arbeiten. Ausserdem würde ich gerne die Ausbildung zum Berufsbildner absolvieren, da ich gerne andere in der Ausbildung zum Betreuungsberuf unterstützen möchte.

L: Nach der Lehre kann ich mir gut vorstellen, noch eine Höhere Fachschule zu machen.

Bernadette Hügi, Pflegedienstleitung Altersbetreuung Worb mit den beiden Lernenden.

Bild vergrössern Bernadette Hügi, Pflegedienstleitung Altersbetreuung Worb mit den beiden Lernenden.

Interview mit Bernadette Hügi, Pflegedienstleitung Altersbetreuung Worb

Flurina Peyer: Sie haben zurzeit zwei männliche Lernende.

Bernadette Hügi: Wir leben eine offene Betriebskultur. Bei uns spielt es keine Rolle, ob Frau oder Mann, sondern wir schauen, was für Eigenschaften und Fähigkeiten es braucht, um in diesem Beruf zu arbeiten. Wir stellen fest, dass es sowohl für uns als Betrieb wie auch für unsere Bewohnerinnen und Bewohner wertvoll ist, dass bei uns Frauen und Männer in der Pflege arbeiten. Unser geschlechtergemischtes Team wird sehr geschätzt.

F: Welche Erfahrung haben Sie mit dem geschlechtergemischten Team gemacht?

B: Ich finde es eine besondere Bereicherung für das ganze Team.  Wir können Themen aus verschiedenen Sichtweisen diskutieren, aus männlicher und weiblicher Perspektive. Dies hat auch den Vorteil, dass wir Vorurteile abbauen können, wie zum Beispiel, dass Frauen gewisse Tätigkeiten besser können als Männer. Ich denke, es wäre sehr eintönig in einem reinen Frauen- oder Männerteam zu arbeiten.

F: Wie reagieren die Bewohnerinnen und Bewohner  auf Ihr Team?

B: Es wird sehr geschätzt. Oft erwähnen auch die Angehörigen, dass sie das gemischte Team positiv empfinden. Es wird also explizit wahrgenommen, dass Männer bei uns in der Pflege tätig sind. Die Arbeit der männlichen Lernenden wird oft positiv anerkannt, während man die Arbeit der jungen Frauen wahrscheinlich nicht im gleichen Mass kommentiert, weil sie als selbstverständlich wahrgenommen wird.

F: Was raten Sie anderen Betrieben?

B: Das Geschlecht darf bei der Auswahl von Lernenden und Mitarbeitenden kein Kriterium sein. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass in allen Bereichen der Pflege Männer und Frauen arbeiten, das heisst auch in Bereichen wie der Körperpflege. Es lohnt sich, dieses Thema professionell anzugehen und sich immer wieder bewusst zu machen, dass wir in der Rolle der Fachkraft sind. Im Betrieb sollte eine Kultur gelebt werden, wo Männer und Frauen gleichwertig angesehen werden, vom Betrieb selbst wie auch von Bewohnenden und Angehörigen. Es braucht eine klare Haltung dem Thema gegenüber.

F: Worauf sind Sie in der Ausbildung von Lernenden besonders stolz?

B: Für mich ist es besonders toll zu sehen, dass sich Männer für den Betreuungsberuf interessieren. Ich denke, dass dieses Interesse auch für die Gesellschaft einen grossen Nutzen hat. Es gibt dadurch auch eine Aufwertung des Berufs. Es ist für mich wichtig, dass unsere Lernenden das Berufsbild in die Gesellschaft hinaustragen, denn viele Menschen haben ein unvollständiges Bild vom Betreuungsberuf, der vor allem sehr anspruchsvoll und notwendig ist.

Interviews: Flurina Peyer, August 2017 

Mehr zum Thema


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

http://www.sta.be.ch/sta/de/index/gleichstellung/gleichstellung/Bildung_und_berufswahl/it_s_my_way_/ItsmywayInterview/berufsbotschafter-und-ausbildungsverantwortliche-im-gespraech--.html