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Berufsbotschafter und Ausbildungsverantwortliche im Gespräch: Besuch in der Kita Piccolino in Bern

Interview mit Janthiyan Thiyagarajah und Roberto Petrillo, Lernende Fachmann Betreuung der Kita Piccolino in Bern.

Flurina Peyer: Was wolltet ihr als Kind einmal werden?

Roberto Petrillo: Ich wollte alles werden. Ich wollte sogar einen Glacé-Laden eröffnen. Dann wollte ich Lehrer werden, um mit Kindern arbeiten zu können. Aber ich wollte nicht aufs Gymnasium. Und dann kam ich auf Fachmann Betreuung.

Janthiyan Thiyagarajah: Ich wollte immer Augenarzt werden. Aber das war wirklich nur ein Traumberuf. Dann habe ich kurz im Verkauf gearbeitet, aber bald gemerkt, dass ich nicht dafür gemacht bin. Als ich ins Militär gegangen bin, habe ich gemerkt, dass ich gerne Verantwortung übernehme und es mir gefällt, den Tag für andere zu planen. Danach habe ich mich für Fachmann Betreuung entschieden.

F: Wie haben Freunde und Familie auf eure Berufswahl reagiert?

R: Meine Eltern und mein Bruder arbeiten alle in Pflege- und Sozialberufen und haben mich daher sehr unterstützt. Meine Kollegen haben Sprüche gemacht und ich dachte mir: Jaja, macht ihr eure Spässe. Ich habe dies locker weggesteckt. Manchmal habe ich auch selbst einen Witz gemacht.

J: Meine Eltern haben mich recht unterstützt. Sie haben immer gesagt, ich soll das machen, was mir gefällt. Am Ende des Tages bin ich es, der Arbeiten geht und nicht sie. Meine Kollegen sagen heute noch: „Du spielst nur ein bisschen mit Kindern und mit Legos“. Aber es ist definitiv mehr als „nur“ mit Kindern spielen. Ich trage Verantwortung, es ist ein kleiner Mensch, den ich betreue, ernähre und pflege.

Roberto Petrillo (links) und Janthiyan Thiyagarajah lernen Fachmann Betreuung

Bild vergrössern Roberto Petrillo (links) und Janthiyan Thiyagarajah lernen Fachmann Betreuung

F: Wie haben Freunde und Familie auf eure Berufswahl reagiert?

R: Meine Eltern und mein Bruder arbeiten alle in Pflege- und Sozialberufen und haben mich daher sehr unterstützt. Meine Kollegen haben Sprüche gemacht und ich dachte mir: Jaja, macht ihr eure Spässe. Ich habe dies locker weggesteckt. Manchmal habe ich auch selbst einen Witz gemacht.

J: Meine Eltern haben mich recht unterstützt. Sie haben immer gesagt, ich soll das machen, was mir gefällt. Am Ende des Tages bin ich es, der Arbeiten geht und nicht sie. Meine Kollegen sagen heute noch: „Du spielst nur ein bisschen mit Kindern und mit Legos“. Aber es ist definitiv mehr als „nur“ mit Kindern spielen. Ich trage Verantwortung, es ist ein kleiner Mensch, den ich betreue, ernähre und pflege.

F: Was gefällt euch in eurem Berufsalltag am besten?

J: Ich gehe am liebsten in den Garten und singe gerne mit den Kindern. Sie haben grosse Freude am Singen. Kinder sind unglaublich ehrlich und wenn sie Lust haben, dann singen sie so richtig mit. Das gefällt mir.

R: Ich kann nicht sagen, was ich am liebsten mache. Es ist sehr unterschiedlich. Ich freue mich, wenn Kinder Fortschritte machen und ich finde es auch toll, wenn sie es einfach nur lustig haben oder miteinander spielen. Der Alltag gefällt mir sehr, weil immer etwas läuft. Es ist ein extrem zufriedenstellender Beruf. Man macht etwas sehr Sinnvolles.

F: Was für Fähigkeiten braucht es in eurem Beruf?

R: Ich habe früher immer gedacht, dass ich keine Geduld habe. Während meiner Lehre habe ich aber gemerkt, dass ich ganz schön viel Geduld habe. Und das braucht man mit Kindern. Denn für die Kinder ist Vieles nicht so klar wie für uns Erwachsene. Sie brauchen länger, um sich anzuziehen und etwas aufzuräumen. Ausserdem braucht es Humor und es ist wichtig, dass man manche Situationen nicht zu ernst nimmt.

J: Man muss Verständnis zeigen können. Es sind Kinder, die dürfen gewissen Sachen noch. Geduld lernt man auch. Wem ich diesen Beruf nicht anrate sind Menschen, die schnell gestresst sind, wenn etwas nicht sofort klappt. Manchmal brauchen die Kinder länger, um in den Garten zu gehen, manchmal weniger lang. Das gehört zu unserem Berufsalltag. Die Kinder sollen auch lernen, selber Entscheidungen zu treffen und so lernen sie es auch.

R: Man muss ehrlich sein in diesem Beruf und es braucht auch Empathie. Man muss die Kinder ernst nehmen, wenn sie zum Beispiel umfallen und es ihnen wehtut. Denn es ist für sie vielleicht in diesem Moment wirklich schlimm. Wir waren auch mal Kinder und deshalb ist es wichtig, ihnen mit viel Empathie zu begegnen.

F: Wie stellt ihr euch eure berufliche Zukunft vor?

R: Mich würde eine Tagessschule interessieren. Ich würde gerne mit älteren Kindern arbeiten und ich kann mir gut vorstellen, dass ich ihnen Werte und Normen anders vermitteln kann als Kleinkindern. Die Vermittlung von Werten und Normen, die wir in einer Gesellschaft haben möchten, ist eine zentrale Arbeit mit Kindern. Ich habe mir auch überlegt, nach meiner Lehre Sozialpädagogik zu studieren. So könnte ich 50 Prozent als Sozialpädagoge arbeiten und 50 Prozent in einer Kita oder Tagesschule. Es ist sehr streng, Vollzeit in einer Kita zu arbeiten.

J: Momentan sind wir noch zwei Tage die Woche in der Schule und dadurch ist die Arbeitswoche etwas kürzer. Aber in den Ferien sind wir jeden Tag in der Kita. Das ist sehr intensiv und manchmal ist es schwierig, den Überblick zu behalten.

Ich kann mir  vorstellen, in einer Kita zu bleiben. Aber es würde mich sehr reizen, in einer Tagesschule mit etwas älteren Kindern ab dem 6. Lebensjahr weiterzufahren und neue Erfahrungen zu machen. Ich habe bereits einmal in einer Tagesschule gearbeitet und das war eine tolle Erfahrung.

 

Interview mit Cécile Schwarz, Ausbildungsverantwortliche und Gruppenleiterin in der Kita Piccolino in Bern.

Flurina Peyer: In vielen Kitas gibt es wenige oder keine männliche Lernende. Was machen Sie anders?

Cécile Schwarz: Wir entscheiden uns bewusster dazu. Wir möchten Männer, die diesen Beruf erlernen, weil wir merken, dass es uns und den Kindern gut tut. Der SGF (Schweizerischer Gemeinnütziger Frauenverein) hat sehr viele Kitas und viele männliche Lernende. Wahrscheinlich spricht sie unser freies Konzept an. Die Kinder spielen was, wo und wann sie wollen und haben keinen fixen Plan. Sie dürfen auch auswählen, von wem sie gewickelt werden wollen.

Céline Schwarz, Ausbildungsverantwortliche der Kita Piccolino in Bern

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F: Löst es etwas aus im Team?

C: Ja, absolut. Ein Mann nimmt Kritik ganz anders entgegen als es eine Frau. Männer arbeiten auch anders als Frauen, was sehr bereichernd ist für unsere Kita. Wir lernen dadurch auch toleranter zu sein und zu akzeptieren, dass es ein Mann vielleicht anders macht als eine Frau. Schlussendlich machen alle ihre Arbeit sehr gut. Ich kann mir persönlich gar nicht vorstellen, nicht in einem geschlechtergemischten Team zu arbeiten.

F: Habt ihr Reaktionen von Eltern auf euer geschlechtergemischtes Team bekommen?

C: Nein, bisher nie. Es fällt ihnen jedoch auf, wenn ein Mann fehlt im Team oder wenn er beispielsweise in den Ferien ist. Ich glaube, die Eltern schätzen es, dass wir Männer im Team haben.

F: Machen in eurem Team alle alles?

C: Es machen alle alles. Möbel zusammenbauen, bohren, putzen und es dürfen auch alle wickeln.

F: Was würden Sie anderen Kitas raten?

C: Sie sollen den Schritt wagen und offen sein für Neues. Man kann so Vieles lernen und Neues entdecken. Ich lerne sehr viel von unseren Lernenden. Auch lohnt es sich, mögliche Ängste von Eltern zu durchbrechen, denn man kann einfach nur profitieren.

Interviews: Flurina Peyer, August 2017

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