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Berufsbotschafterinnen und Ausbildungsverantwortliche im Gespräch: Besuch bei der Schreinerei Strasser AG in Thun

Interview mit Linda Matzinger und Astrid Staudenmann, Schreinerinnen in Ausbildung

Flurina Peyer: Hattet ihr als Kind einen Traumberuf?

Linda Matzinger: Ich war mir schon immer sicher, dass ich einmal einen handwerklichen Beruf ausüben möchte. Bis zur achten Klasse war mein Traumberuf stets Flugzeugmechanikerin. Dann wollte ich plötzlich Automobilmechanikerin werden und bin sogar schnuppern gegangen. Es war mir aber zu eintönig. Beim zweiten Mal schnuppern bin ich auf den Schreinerberuf  gestossen. 

Astrid Staudenmann: Ich wollte zuerst Landschaftsgärtnerin und dann Elektrikerin werden. Ich habe früher immer gerne Ikea-Möbel zusammengebaut. Dadurch bin ich dann darauf gekommen, Schreinerin zu werden.

Linda Matzinger (links) und Astrid Staudenmann, Schreinerinnen in Ausbildung

Bild vergrössern Linda Matzinger (links) und Astrid Staudenmann, Schreinerinnen in Ausbildung

F: Gibt es jemanden, der euch bei eurem Berufswahlprozess unterstützt hat?

L: Vor allem meine Eltern. Sie sind immer hinter meinem Entscheid gestanden. Mein Vater hatte damals sogar einen Zeitplan für mich gemacht. Auf dem stand, bis wann ich eine Schnupperstelle finden muss. Das hat mir sehr geholfen vorwärts zu kommen.

A: Bei mir waren es auch meine Eltern.

F: Wie reagierten eure Freunde auf eure Berufswahl?

A: Viele sind im ersten Moment erstaunt, wenn ich sage, dass ich Schreinerin lehre. Da ich auch eher zierlich bin, dachten auch ein paar, dass ich vielleicht nicht dafür gemacht bin. Aber die meisten sind jetzt begeistert, dass ich diesen Beruf erlerne.

L: Bei mir waren die Reaktionen sehr ähnlich. Viele erwarteten es nicht, dass ich diesen Beruf ausgewählt haben könnte, obwohl ich bereits sehr früh an handwerklichen Berufen interessiert war und viele das auch schon wussten.

F: Was gefällt euch besonders in eurem Beruf?

L: Mich begeistert vor allem das Material Holz und ich arbeite gerne mit den Händen. Man muss als Schreinerin auf jeden Fall handwerklich begabt sein und man sollte gerne mit Werkzeugen hantieren und sich nicht vor grösseren Maschinen scheuen.

A: Ich vergleiche den Beruf der Schreinerin manchmal mit dem des Kochs. Der Koch hat nur wenige Minuten etwas von dem, was er produziert. Schreiner und Schreinerinnen im Gegenzug produzieren ein Produkt, das für zehn oder mehr Jahre bestehen bleibt. Mir gefällt, dass ich sehe, was ich erarbeitet habe und ich freue mich zu wissen, dass der Tisch zum Beispiel, den ich gemacht habe, bei jemandem Zuhause steht.

F: Wie stellt ihr euch eure berufliche Zukunft vor?

A: Zurzeit mache ich die Vorkurse für die Berufsmaturitätschule, damit ich nach meinem  Lehrabschluss die Berufsmaturität absolvieren kann. Denn ich will mich weiterbilden in Richtung Architektur oder Innenarchitektur.

L: Bei mir ist es noch sehr offen. Ich will mich in erster Linie auf meine Lehre konzentrieren und einen guten Abschluss machen. Ich werde aber höchstwahrscheinlich auf dem Beruf bleiben und mich vielleicht noch zur Werkstattleiterin und Berufsbildnerin ausbilden lassen.

 

Hansrudolf Fahrni, Bereichsleiter Werkstatt der Strasser AG mit Lernenden

Bild vergrössern Hansrudolf Fahrni, Bereichsleiter Werkstatt der Strasser AG mit Lernenden

Interview mit Hansrudolf Fahrni, Bereichsleiter Werkstatt der Strasser AG

Flurina Peyer: In Ihrem Betrieb arbeiten sehr viele weibliche Lernende.

Hansrudolf Fahrni: Es spricht sich wahrscheinlich ein wenig herum. Die Jugendlichen achten sehr darauf, wie es in Betrieben aussieht. Oftmals sind Kleinbetriebe nicht für Frauen eingerichtet, es fehlt zum Beispiel an getrennten Garderoben. Beim Schnuppern merken die meisten sehr schnell, ob ihnen das Team und der Umgang im Betrieb zusagt oder nicht. Wenn junge Frauen in unserem Betrieb schnuppern kommen, dann achten wir darauf, dass sie von unseren weiblichen Lernenden betreut werden. Ausserdem arbeiten bei uns fast in jedem Bereich Frauen und das begeistert und motiviert junge Frauen, die sich für den Schreinerberuf interessieren.

F: War das schon immer so?

H: Früher hatten wir nicht jedes Jahr weibliche Lernende. Als sich dann zwei Frauen gleichzeitig auf eine Lehrstelle beworben haben, die beide Topleistungen mitbrachten, wollte ich sie unbedingt einstellen. Zuerst haben wir kurz daran gezweifelt, da es in unserem Beruf auch schwere körperliche Arbeit zu verrichten gibt. Dann dachten wir jedoch, dass es nicht sein darf, dass wir aus diesem Grund zwei von den Besten abweisen. Seit dann haben wir regelmässig jedes Jahr weibliche Lernende angestellt. 

F: Gab es Reaktionen von der Kundschaft auf Ihr geschlechtergemischtes Team?

H: Ja, wir haben sehr positive Reaktionen erhalten. Wir haben oft Aufträge vom Inselspital und haben von dort die Rückmeldung erhalten, es sei toll, dass in unserem Betrieb so viele Frauen arbeiten. Es fällt definitiv auch der Privatkundschaft auf.

F: Was würden Sie anderen Betrieben raten?

H: Ganz zentral ist sicherlich die Betriebskultur. Wir pflegen einen respektvollen Umgang untereinander und achten auf eine offene Kommunikation unter den Mitarbeitenden. Das spüren die Lernenden rasch, wenn sie in einem Betrieb schnuppern. Zudem sollten sich die Betriebe auch bewusst öffnen, um junge Frauen für den Beruf zu begeistern. Sie müssen in Stelleninseraten oder auf der Unternehmenswebseite beispielsweise bewusst auf darauf achten, dass sie Frauen und Männer gleichermassen ansprechen. 

F: Worauf sind Sie in der Ausbildung von Lernenden besonders stolz?

H: Ich bin wirklich stolz zu sehen, dass viele unserer weiblichen Lernenden im Beruf der Schreinerin bleiben und oftmals auch wieder zu uns zurückkommen. Schliesslich sind unsere Lernenden auch Aushängeschilder unseres Betriebs. Da freut es mich besonders  zu merken, dass es ihnen bei uns gefallen hat. Ich bin auch stolz auf unsere Unternehmenskultur, die wir tagtäglich im Betrieb leben und auch gegen aussen ausstrahlen.

Interviews: Flurina Peyer, August 2017 

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