Die Zahlen zur Gleichstellung bei der sozialen Sicherheit von Frauen und Männern für den Kanton Bern geben Auskunft zu diesen Fragen: Wie sind Frauen und Männer auf Sozialhilfe angewiesen? Welche Haushalte sind besonders von Armut betroffen? Wie sieht die Altersvorsorge von Frauen und Männern aus?
Sozialhilfequote nach Geschlecht
Im Alter von 26 bis 45 Jahren sind Frauen häufiger auf Sozialhilfe angewiesen als Männer. Im Alter von 46 bis 64 Jahren sind eher Männer darauf angewiesen.
Die Sozialhilfequote beschreibt den Anteil der ständigen Wohnbevölkerung, der auf wirtschaftliche Sozialhilfe angewiesen ist. Im Jahr 2023 lag die Sozialhilfequote im Kanton Bern bei 3,8 Prozent. Das bedeutet, dass knapp vier von hundert Personen auf Sozialhilfe angewiesen waren.
Je nach Lebensphase sind Frauen und Männer unterschiedlich stark vom Risiko betroffen, Sozialhilfeleistungen beziehen zu müssen. In der Altersgruppe der 0- bis 25-Jährigen ist die Sozialhilfequote bei Frauen und Männern nahezu gleich hoch. Zwischen 26 und 45 Jahren jedoch sind Frauen stärker betroffen. Sie weisen in den Altersgruppen der 26- bis 35-Jährigen und 36- bis 45-Jährigen jeweils rund 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte höhere Quoten auf als Männer. Ab dem Alter von 46 Jahren ändert sich dieses Bild. Besonders in der Altersgruppe der 56- bis 64-Jährigen liegt die Sozialhilfequote der Männer mit 3,7 Prozent deutlich über jener der Frauen (2,8 Prozent). Ab dem Pensionsalter (65+) sinkt die Sozialhilfequote bei beiden Geschlechtern auf nur noch 0,3 Prozent.
Abbildung 1 Sozialhilfequote der ständigen Wohnbevölkerung nach Altersgruppe und Geschlecht, Kanton Bern, 2023

Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Sozialhilfestatistik 2023, Daten Kanton Bern
Haushaltsquote in der Sozialhilfe
Haushalte alleinerziehender Personen sind besonders von Armut betroffen.
Die Haushaltsquote beschreibt den Anteil eines bestimmten Haushaltstyps, der auf Sozialhilfe angewiesen ist. Im Jahr 2023 waren rund 24 Prozent der Haushalte mit einer erwachsenen Person und mindestens einem minderjährigen Kind, also Alleinerziehende, auf Sozialhilfe angewiesen. Diese Gruppe ist mit Abstand am stärksten betroffen.
Bei alleinlebenden Erwachsenen ohne Kinder lag die Quote bei 5,2 Prozent. Haushalte mit mehreren erwachsenen Personen ohne minderjährige Kinder wiesen mit 2,4 Prozent das geringste Risiko auf, gefolgt von Haushalten mit mehreren Erwachsenen und minderjährigen Kindern (3,2 Prozent).
Insgesamt lag die Haushaltsquote über alle Haushaltstypen hinweg bei 4,2 Prozent.
Abbildung 2 Haushaltsquote der Sozialhilfe nach Haushaltstyp der Privathaushalte, Kanton Bern, 2023

Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Sozialhilfestatistik 2023, Daten Kanton Bern
Altersvorsorge von Frauen und Männern
Frauen sind im Alter finanziell schlechter gestellt als Männer.
Das Alterssicherungssystem (Dreisäulensystem) in der Schweiz fusst auf dem angesparten Kapital und wirkt sich unterschiedlich auf Frauen und Männer aus. Im Jahr 2023 betrug der Unterschied der medianen monatlichen neuen Altersrenten zwischen Frauen und Männern in der BV 41,6 Prozent. Bei den Männern belief sich der monatliche Medianbetrag der Neurenten aus der BV auf 1’943 Franken und bei den Frauen auf 1’135 Franken. Bei der AHV ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern kleiner: Männern erhielten im Schnitt 2’005 Franken und Frauen 1’829 Franken.
Die Kapitalleistungen aus der BV und der Säule 3a folgen dem gleichen Trend wie die Rentenleistungen aus der 1. und der 2. Säule. Bei den Männern wurden höhere Kapitalbezüge verzeichnet als bei den Frauen. Im Jahr 2023 bezogen die Männer mediane neue Kapitalleistungen aus der BV in der Höhe von 188’297 Franken, die Frauen von 77’967 Franken. In der Säule 3a ist der Unterschied zwischen Männer und Frauen kleiner. Bei den Männern beliefen sich die medianen neuen Kapitalbezüge auf 45’228 Franken und bei den Frauen auf 39’736 Franken.
Die deutlichen Unterschiede bei den von Frauen und Männern erhaltenen Leistungen lassen sich vor allem durch ihre unterschiedlichen beruflichen Laufbahnen erklären. Frauen unterbrechen häufiger ihre Erwerbstätigkeit und arbeiten öfter Teilzeit, beides in erster Linie aus familiären Gründen. Auch die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern tragen zu Abweichungen bei den BV-Leistungen bei. Haus- und Familienarbeit, die überwiegend von Frauen übernommen wird, ist unbezahlt und wirkt sich nicht auf die Altersvorsorgeleistungen aus.
Abbildung 3 Höhe des monatlichen Medianbetrags der Neurenten aus AHV und BV nach Geschlecht, Schweiz und Kanton Bern, 2023

Grundgesamtheit: Personen der ständigen Wohnbevölkerung, die am 31. Dezember des Kalenderjahrs eine neue Leistung aus dem Altersvorsorgesystem beziehen.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Neurentenstatistik (NRS), Statistik der Bevölkerung und der Haushalte, 2023
Abbildung 4 Höhe der medianen neuen Kapitalleistungen aus BV und Säule 3a nach Geschlecht, Kanton Bern, 2023

Grundgesamtheit: Personen der ständigen Wohnbevölkerung, die am 31. Dezember des Kalenderjahrs eine neue Leistung aus dem Altersvorsorgesystem beziehen.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Neurentenstatistik (NRS), Statistik der Bevölkerung und der Haushalte, 2023.
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