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Zahlen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Zahlen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für den Kanton Bern geben Auskunft zu diesen Fragen: Welche Familien- und Erwerbsmodelle werden im Kanton Bern bevorzugt? Wie viel Haus- und Familienarbeit und wie viel Erwerbsarbeit leisten Frauen und Männer? Wie viele Gemeinden beteiligen sich am Betreuungsgutschriftensystem? Wie hat sich der Ausbau von Tagesschulen in den letzten Jahren entwickelt?

Familien- und Erwerbsmodelle – Erwerbstätigkeit nach Geschlecht

Das modernisierte bürgerliche Familienmodell dominiert im Kanton Bern. Paarhaushalte, in denen Frau und Mann Teilzeit arbeiten, nehmen zu.

Das traditionelle bürgerliche Modell, bei dem der Mann Vollzeit arbeitet (90 – 100 Prozent) und die Frau nicht erwerbstätig ist, hat seit 1990 an Bedeutung verloren. Im Jahr 1990 machte dieses Modell im Kanton Bern 61,3 Prozent und 2000 noch 36 Prozent der Paarhaushalte aus, in denen das jüngste Kind unter sieben Jahren alt ist. Bis 2022 ist dieser Wert weiter auf 17,4 Prozent gesunken.

Im Kanton Bern dominiert heute das sogenannte modernisierte bürgerliche Modell: In 46,4 Prozent der bernischen Paarhaushalte, in denen das jüngste Kind unter sieben Jahre alt ist, arbeitet der Mann Voll- und die Frau Teilzeit. In 8,5 Prozent der Paarhaushalte arbeiten Mann und Frau Vollzeit, in 15,8 Prozent der Paarhaushalte sind beide Elternteile Teilzeit erwerbstätig.

Abbildung 1 Aufteilung der Erwerbstätigkeit in Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 7 Jahren, Kanton Bern, 1990, 2000, 2022

Grafik: Aufteilung der Erwerbstätigkeit in Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 7 Jahren, Kanton Bern, 1990, 2000, 2022

*Andere: Frau und Mann nicht erwerbstätig, andere Kombinationen, Aufteilung der Erwerbsarbeit unbekannt

Paarhaushalte: Verheiratete oder Konsensualpaare.

Grundgesamtheit: alle Privathaushalte der ständigen Wohnbevölkerung.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Strukturerhebungen 2010 – 2014, 2015 – 2019, 2022
 

Aufwand für Haus- und Familienarbeit nach Geschlecht

Unabhängig von der Familiensituation leisten Frauen mehr Haus- und Familienarbeit und Männer mehr Erwerbsarbeit.

Daten zum durchschnittlichen Aufwand für Erwerbsarbeit sowie Haus- und Familienarbeit von Personen im erwerbsfähigen Alter werden im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung erhoben. Für den Kanton Bern liegen keine exakten Zahlen vor, weshalb in der Grafik nur schweizweite Zahlen dargestellt sind.

Frauen und Männer wendeten in der Schweiz im Jahr 2024 im Durchschnitt rund 55 Stunden für Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit auf. In den meisten Fällen arbeiteten Frauen und Männer insgesamt etwa gleich viele Stunden.

Es zeigen sich aber deutliche geschlechterspezifische Unterschiede in der Verteilung der aufgewendeten Zeit: Frauen wendeten mehr Zeit für die unbezahlte Haus- und Familienarbeit auf, Männer mehr für die bezahlte Erwerbsarbeit. Im Mittel betrug der Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit bei den Frauen rund 34 Stunden, bei den Männern rund 22 Stunden.

Bei der Erwerbsarbeit war das Verhältnis umgekehrt: Männer wendeten durchschnittlich rund 32 Stunden auf, Frauen hingegen rund 22 Stunden. Die höchste zeitliche Belastung zeigt sich bei Eltern, bei denen das jüngste Kind unter sieben Jahre alt ist, unabhängig davon, ob sie in einer Partnerschaft leben oder alleinerziehend sind. Ihr wöchentliches Gesamtpensum betrug häufig über 70 Stunden.

Abbildung 2 Durchschnittlicher Aufwand für Erwerbsarbeit, Haus- und Familienarbeit von Personen im erwerbsfähigen Alter (15 – 64 Jahre), nach Geschlecht und Familiensituation in Stunden pro Woche, Schweiz, 2024

Grafik: Durchschnittlicher Aufwand für Erwerbsarbeit, Haus- und Familienarbeit von Personen im erwerbsfähigen Alter (15 – 64 Jahre), nach Geschlecht und Familiensituation in Stunden pro Woche, Schweiz, 2024

*Alleinlebende Männer mit Kindern zwischen 0 und 14 Jahren: Extrapolation auf Grund von weniger als 50 Beobachtungen. Die Resultate sind mit grosser Vorsicht zu interpretieren.

Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung, Modul unbezahlte Arbeit 2024

Familienergänzende Betreuung in Kindertagesstätten und bei Tageseltern

Die meisten Gemeinden beteiligen sich am Betreuungsgutscheinsystem.

Mit der Einführung des Systems der Betreuungsgutscheine im Schuljahr 2019/2020 wurde die familienergänzende Kinderbetreuung im Kanton Bern grundlegend neu organisiert. Während zuvor die Kitaplätze direkt subventioniert wurden, erhalten Eltern seit dem Start des neuen Systems Betreuungsgutscheine, deren Höhe sich nach Einkommen, Vermögen und Familiengrösse richtet. Diese können bei anerkannten Kindertagesstätten und Tageseltern eingelöst werden.

Die Gemeinden des Kantons Bern können freiwillig am Betreuungsgutscheinsystem teilnehmen. Kanton und Gemeinden finanzieren die Gutscheine gemeinsam. Die Gutscheine selbst werden von der jeweiligen Wohnsitzgemeinde verfügt und ausgezahlt. Seit der Einführung des Systems ist die Zahl der teilnehmenden Gemeinden kontinuierlich gestiegen. Waren es 2019/20 noch 47 Gemeinden, so nehmen 2025 mittlerweile 319 Gemeinden im Kanton Bern am System teil, was rund 95 Prozent entspricht.

Mit der wachsenden Zahl an Gemeinden, die sich seit der Einführung im August 2019 beteiligen, hat sich die Zahl der Kinder, für die Betreuungsgutscheine ausgestellt werden, deutlich erhöht: von 1’345 Kindern im Gutscheinjahr 2019/20 auf 13’727 Kinder im Jahr 2024/25. Die Abbildung zeigt, dass sich die Anzahl Kinder mit Betreuungsgutscheinen zu stabilisieren scheint. 

Abbildung 3 Anzahl Kinder mit Betreuungsgutscheinen und Anzahl teilnehmende Gemeinden, Kanton Bern, Periode 2019/20 – 2024/25

Grafik: Anzahl Kinder mit Betreuungsgutscheinen und Anzahl teilnehmende Gemeinden, Kanton Bern, Periode 2019/20 – 2024/25

Quelle: Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern (GSI), Amt für Integration und Soziales, Abteilung Behinderung, Familie und Opferhilfe, 2025

Entwicklung des Tagesschulangebots

Die Tagesschulen wurden im Kanton Bern in den letzten Jahren stark ausgebaut.

Im Kanton Bern sind die Gemeinden für das Tagesschulangebot verantwortlich. Die Gemeinden sind verpflichtet, ein Modul anzubieten, falls eine verbindliche Nachfrage von zehn oder mehr Kindern dafür besteht.

Die Tagesschulen im Kanton Bern haben sich in den letzten Jahren zahlenmässig stark weiterentwickelt: Sowohl die Anzahl der Tagesschulen als auch die Betreuungsstunden und die Zahl der betreuten Kinder sind deutlich gestiegen. Im Schuljahr 2010/11 wurden im Kanton Bern rund 2,97 Millionen Betreuungsstunden an Tagesschulen geleistet. Bis 2023/24 ist diese Zahl auf 8,43 Millionen Stunden angewachsen. Dies entspricht einem Anstieg um 184 Prozent. Auch die Zahl der Tagesschulen hat sich von 208 im Jahr 2010/11 auf 274 im Jahr 2023/24 erhöht. Parallel dazu hat die Anzahl der Gemeinden mit einer Tagesschule von 143 auf 182 zugenommen und die Anzahl der betreuten Schülerinnen und Schüler hat sich mehr als verdoppelt: Besuchten 2010/11 noch 10’734 Kinder eine Tagesschule, waren es 2023/24 bereits 25’255.

Die Mehrheit der betreuten Kinder sind Primarschülerinnen und -schüler. Jedes vierte Kind ist ein Kindergarten- oder Basisstufenkind, während nur wenige Sekundarschülerinnen und -schüler das Angebot nutzen. Das Mittagsmodul wurde mit Abstand am häufigsten besucht. 

Abbildung 4 Entwicklung Tagesschulen nach Schuljahren, 2010/11 – 2023/24

Grafik: 4.4: Entwicklung Tagesschulen nach Schuljahren, 2010/11 – 2023/24

Eine Betreuungsstunde: Ein Kind während einer Stunde betreut.

Quelle: Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern (BKD), Amt für Kindergarten, Volksschule und Beratung, August 2024

Weitere Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

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  • Familie und Gleichstellung

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