Die Zahlen zur Gleichstellung in der Erwerbsarbeit für den Kanton Bern geben Auskunft zu diesen Fragen: Wie hoch sind die Erwerbsquote und der Beschäftigungsgrad bei Frauen und Männern im Kanton Bern? In welcher beruflichen Stellung arbeiten Frauen und Männer? Wie hoch sind die Löhne und wie gross ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern? Welcher Anteil lässt sich erklären und welcher nicht?
Erwerbsquote von Frauen und Männern
Die Erwerbsquote der Männer ist höher als jene der Frauen.
Im Kanton Bern waren im Jahr 2023 79,6 Prozent der weiblichen und 86,6 Prozent der männlichen Wohnbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren entweder erwerbstätig oder auf Stellensuche. Die Nettoerwerbsquoten im Kanton Bern sind etwas höher als die Schweizer Nettoerwerbsquoten.
Abbildung 1 Nettoerwerbsquote (15- bis 64-Jährige) nach Geschlecht, Kanton Bern und Schweiz, 2023

Nettoerwerbsquote: Anteil der Erwerbspersonen an der 15- bis 64-jährigen Wohnbevölkerung.
Grundgesamtheit: Personen der ständigen Wohnbevölkerung ab vollendetem 15. Altersjahr, die in Privathaushalten leben. Ohne Personen, die in Kollektivhaushalten leben, Diplomatinnen und Diplomaten, internationale Funktionärinnen und Funktionäre und deren Angehörige.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Strukturerhebung, Stichtag 31.12.2023
Beschäftigungsgrad von Frauen und Männern
Männer arbeiten mehrheitlich Vollzeit, Frauen mehrheitlich Teilzeit.
Die möglichen Beschäftigungsgrade von Erwerbstätigen werden in vier Kategorien unterteilt: Vollzeit (90 – 100 Prozent), Teilzeit I (70 – 89 Prozent), Teilzeit II (50 – 69 Prozent) und Teilzeit III (weniger als 50 Prozent).
Von den 553’465 Erwerbstätigen im Kanton Bern arbeiteten im Jahr 2023 rund 37 Prozent Teilzeit. Rund 74 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten waren Frauen.
Rund 57 Prozent der erwerbstätigen Frauen und rund 18 Prozent der erwerbstätigen Männer arbeiteten Teilzeit. Von den weiblichen Teilzeitangestellten arbeiteten rund je ein Drittel in den Kategorien Teilzeit I, Teilzeit II und Teilzeit III.
Seit 2016 ist bei den Frauen die Vollzeitquote mit rund 43 Prozent und die Teilzeitquote mit rund 57 Prozent weitgehend stabil geblieben. Der Frauenanteil ist in der Teilzeitkategorie I von 15,9 auf 19,3 Prozent sowie in der Teilzeitkategorie II von 17,1 auf 19,5 Prozent gestiegen. In der Teilzeitkategorie III ist dagegen ein Rückgang von 23,8 auf 18,6 Prozent zu verzeichnen.
Bei den Männern ist die Vollzeitquote seit 2016 leicht gesunken (von 84,9 auf 81,9 Prozent). Heute arbeiten mehr Männer Teilzeit, vor allem in Pensen von 70 – 89 Prozent. Der Männeranteil ist in der Teilzeitkategorie I von 6,8 auf 9,1 Prozent, in der Teilzeitkategorie II von 3,5 auf 4 Prozent und in der Teilzeitkategorie III von 4,8 auf 5 Prozent gestiegen.
Abbildung 2 und 3 Erwerbstätige nach Beschäftigungsgrad und Geschlecht, Kanton Bern, 2023


Grundgesamtheit: Personen ab 15 Jahren der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Ohne Personen, die in Kollektivhaushalten leben, Diplomatinnen und Diplomaten, internationale Funktionärinnen und Funktionnäre und deren Angehörige.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Strukturerhebung, Stichtag 31.12.2023
Berufliche Stellung von Frauen und Männern
Es gibt deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen.
Daten zur beruflichen Stellung werden im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung erhoben. Diese lässt keine Rückschlüsse auf den Kanton Bern zu. Die kleinste räumliche Gliederung, für welche zuverlässige Daten vorliegen, ist die Grossregion Espace Mittelland.
Im Allgemeinen besitzen Frauen eine niedrigere berufliche Stellung als Männer: Sie sind deutlich öfter Arbeitnehmende ohne Vorgesetztenfunktion. Männer sind häufiger selbständig , haben öfter eine Funktion als Vorgesetzter inne und sind häufiger in einer Unternehmensleitung tätig.
Abbildung 4 Berufliche Stellung der Erwerbstätigen der ständigen Wohnbevölkerung nach Geschlecht, Espace Mittelland, 2023

Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2023
Löhne und Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern
Im obersten, oberen und mittleren Kader verdienten Männer 2022 im Espace Mittelland 14,6 Prozent mehr als Frauen.
Daten zu den Löhnen der Bevölkerung werden im Rahmen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung erhoben. Diese lässt keine Rückschlüsse auf den Kanton Bern zu. Die kleinste räumliche Gliederung, für welche zuverlässige Daten vorliegen, ist die Grossregion Espace Mittelland. Die Lohnunterschiede nach beruflicher Stellung werden mittels monatlichem Bruttomedianlohn berechnet.
Der Bruttomedianlohn von Frauen im öffentlichen und privaten Sektor in der Region Espace Mittelland betrug 2022 6’334 Franken, jener von Männern 7’036 Franken. Dies entspricht einem Unterschied von 702 Franken oder 10 Prozent zuungunsten der Frauen. Je nach beruflicher Stellung variieren die Differenzen zwischen den Frauen- und Männerlöhnen unterschiedlich stark. Während der Unterschied im obersten, oberen und mittleren Kader (Stufe 1 + 2) mit 14,6 Prozent am höchsten ist, beträgt die kleinste Differenz 6,7 Prozent bei Anstellungen ohne Kaderfunktion.
Abbildung 5 Monatlicher Bruttomedianlohn nach beruflicher Stellung und Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor, Espace Mittelland, 2022

Stufe 1 + 2: oberstes, oberes und mittleres Kader
Stufe 3: unteres Kader
Stufe 4: unterstes Kader
Grundgesamtheit: Stichprobe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern von Unternehmen mit mindestens drei Beschäftigten des 2. und 3. Sektors.
Standardisierter monatlicher Bruttomedianlohn (Zentralwert): Für die eine Hälfte der Arbeitsstellen liegt der standardisierte Lohn über, für die andere Hälfte dagegen unter dem ausgewiesenen Wert. Standardisiert bedeutet, dass die erhobenen Beträge auf einheitliche Arbeitszeiten von 4 1/3 Wochen zu 40 Stunden (Vollzeitäquivalent) aufgerechnet werden.
Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2022
Lohnunterschiede: erklärte und unerklärte Anteile
In der Region Espace Mittelland betrug der nicht erklärte Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern im Jahr 2020 544 Franken pro Monat.
Die Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen lassen sich in zwei Kategorien aufteilen. Ein Teil des Lohnunterschieds kann durch objektive Faktoren erklärt werden. Folgende Qualifikationsmerkmale wirken sich auf den Lohn aus: persönliche (Alter, Dienstalter und Ausbildung), arbeitsplatzbezogene (berufliche Stellung, Anforderungsniveau, Tätigkeitsbereich) und unternehmensspezifische (Unternehmensgrösse, Branche, Region). So sind Frauen etwa im Durchschnitt schlechter ausgebildet und sind in besser bezahlten Kaderpositionen weniger häufig vertreten. Auf der anderen Seite gibt es einen Teil des Lohnunterschieds, der nicht mit objektiven Faktoren erklärt werden kann, auch deshalb, weil nicht alle relevanten Faktoren statistisch erfasst werden (z. B. Berufserfahrung).
Daten zu den Löhnen der Bevölkerung werden im Rahmen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung erhoben. Diese lässt keine Rückschlüsse auf den Kanton Bern zu. Die kleinste räumliche Gliederung, für welche zuverlässige Daten vorliegen, ist die Grossregion Espace Mittelland. Für die Zerlegung des Lohnunterschieds in einen erklärten und einen unerklärten Anteil werden standardisierte Bruttomonatslöhne verwendet. 2020 betrug die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttomonatslohn der Männer und jenem der Frauen in der Gesamtwirtschaft 1266 Franken (rund 16 Prozent). Davon lassen sich 57 Prozent (721 Franken) mit den statistisch erfassten Faktoren erklären. 43 Prozent der Lohndifferenz (544 Franken) sind durch das angewandte statistische Modell nicht erklärbar und enthalten eine potenzielle Lohndiskriminierung auf Grund des Geschlechts.
Abbildung 6 Erklärter und unerklärter Anteil Lohnunterschiede, Gesamtwirtschaft, Espace Mittelland, 2020

Durchschnittlicher Bruttomonatslohn, standardisiert: Der Bruttomonatslohn umfasst neben der ordentlichen Lohnzahlung auch Sozialabgaben, Zulagen für Schicht-, Sonntags- und Nachtarbeit, einen Zwölftel des 13. Monatslohns und einen Zwölftel der unregelmässigen Leistungen, aber keine Entschädigungen für Überstunden. Die Löhne werden entsprechend ihres Beschäftigungsgrads auf eine Vollzeiterwerbstätigkeit à 40 Stunden pro Woche umgerechnet.
Grundgesamtheit: Stichprobe von Arbeitnehmenden von Unternehmen mit mindestens drei Beschäftigten des 2. und 3. Sektors.
Quelle: Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2020. BSS. Volkswirtschaftliche Beratung, Studie im Auftrag des Bundesamts für Statistik (BFS)
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